Ich mache mir jetzt vermutlich wenig Freunde, aber ich vertrete die Meinung: "Weil es Hunde gibt, die Angst haben, sollte Feuerwerk nicht verboten werden."

Ich finde durchaus, dass es Gründe gibt zum Beispiel Geldverschwendung, Unfallrisiko, Wildtiere o.ä., aber geräuschängstliche Hunde gehören nicht dazu. 
Es gibt viele Geräusche und vor allen kann der Hund Ängste haben/entwickeln. Einige sind unvermeidlich, zum Beispiel Gewitter oder Fehlzündungen an Autos. Deshalb muss man meiner Meinung nach an der anderen Seite ansetzen und so gut wie möglich daran arbeiten, dass Hunde mit ihrer Umwelt klarkommen.
Es greift vor Silvester unter Hundefreunden regelmäßig eine Panik um sich, weil sie Angst vor der Angst ihres Hundes haben. Dabei nehmen die Aussagen abstruse Formen an: "Alle selbst in die Luft sprengen", war der Gipfel, der mich zu diesem Post motiviert hat. Müssen denn gleich immer Gewaltdrohungen folgen, wenn Leute Dinge tun, die mir nicht in den Kram passen?
Und ist es nicht vielleicht ein bisschen so, dass man selbst durch diese Beiträge nur umso verunsicherter ist? Und dass das auch der Grund ist, warum es mehr und mehr geräuschempfindliche Hunde gibt? Wenn ich nervös um meinen Hund herumhopse und jede seiner Regungen interpretiere, bedaure und gegenkonditioniere - dann wird doch der sicherste Hund nervös, wenn der Zweibeiner plötzlich so komisch ist! Zu Beginn meiner Agilityzeit musste jeder Agilityhund eine Begleithundprüfung mit Schuß bestehen. Heute undenkbar. 
Ich will gar nicht bestreiten, dass es Hunde gibt, die tatsächlich Panik haben. Aber milder Stress (eingeklemmte Rute, angelegte Ohren oder unruhiges Herumlaufen) gibt uns doch die Chance mit dem Besitzer an Vertrauen und Umweltsicherheit zu arbeiten. Was ist der Unterschied zu Welpen in Prägungsspielgruppen, die man mit Bettlaken optisch oder mit grollenden Donner-Blechen akustisch reizt.
Und deshalb bin ich der Meinung: Mehr Verbote nehmen Freiheiten weg. Ich kaufe selbst kein Feuerwerk, käme aber trotzdem nie auf die Idee das unseren Nachbarn zu verbieten, und das obwohl wir einen geräuschempfindlichen Hund daheim haben. Hier meine Tipps:

Für alle Hunde - egal ob sie Angst haben oder nicht

Alle Hunde, auch geräuschsichere gehören an die Leine rund um Silvester und zwar so gesichert, dass der Hund auf gar keinen Fall aus dem Halsband und Geschirr rausschlüpfen kann. Das hilft gegen Flucht durch Erschrecken, denn auch der sicherste Hund kann sich aus was für Gründen auch immer bei ungewöhnlichen Dingen an Silvester leichter erschrecken, als an den übrigen 51 Wochen des Jahres. Es hilft gegen Verletzungen, weil raketenverrückte Hunde eins von den tollen Sprühdingern apportieren wollen. Und am Ende hilft es auch, damit Hunde nicht zu Leuten laufen, die Raketen in der Hand halten und zu betrunken sind, um zu erkennen, dass es eine doofe Idee ist, damit nach Hunden zu werfen.

Kategorie 1-Hunde: erstes Silvester und wir wissen noch nicht, wie sie reagieren oder wir wissen schon, dass sie nicht ängstlich sind:

  • Rund ums neue Jahr Hunde beim Spaziergang und generell draußen immer gut sichern.
  • Wenn es knallt: selbst sehr erfreut sein und neugieriges Verhalten vom Hund positiv verstärken
  • In der Silvesternacht beim Hund sein. Rolläden runter, Musik laut aufdrehen und einen Leckerchenkonfettiregen zum Feuerwerk veranstalten. Lautere Knaller? Mehr Kekse fallen vom Himmel! Fressen beruhigt. Auch Denken lenkt ab: Lieblingstricks, Hundeschnüffelspiele und ähnliches sind also ideal

Kategorie 2-Hunde: Wir wissen schon, dass sie Angst haben

  • Selber trotzdem super gelaunt bleiben! Ihr müsst das Feuerwerk selbst toll finden, um die richtige Stimmung zu übertragen (das ist der Grund, warum mich 
    die Panikmache stört)
  • Wenn der Hund Zuflucht an sicheren Plätzen sucht, dann ist das total ok. Gelegentlich hingehen, fröhlich sein. 
  • Hilfreich können versprühte Duftstoffe (Pheromone), Futterzusätze wie Zylkene und Adaptil oder auch der allseits beliebte und wirklich gut helfende Löffel Eierlikör.
  • Überholt ist die Theorie, dass Hunde mehr Angst haben, wenn man sie streichelt. Hierzu dieser schöne Artikel: http://www.cairn-energie.de/bunthund/trafensich.html 
  • Für Hunde, die echte Panikattacken haben, ist ein frühzeitiger Besuch bei einem qualifizierten Tierarzt empfehlenswert. Der kann Medikamente verschreiben, die nicht nur die Muskeln entspannen (das ist eher kontraproduktiv, wenn der Hund Angst hat, sich aber nicht mehr bewegen kann), sondern tatsächlich angstlösend wirken. Sehr empfehlenswert ist hier dieser Artikel: http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19740 
  • Wichtigster Tipp für Kategorie 2: Direkt im neuen Jahr anfangen am Problem zu arbeiten. Geräusch-CD anschaffen, sich über Tellington-Touch oder Thundershirts informieren und üben, üben, üben! Geräuschempfindliche Hunde sind kein unabänderliches Schicksal. Helft eurem Hund, damit wenigstens das nächste Silvester toll wird!

Guten Rutsch alle zusammen und versucht im neuen Jahr doch mal mehr Freiheit, Toleranz und weniger Verbote.

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